Holzbildnisse

Karin Plank-Hauter

 

Schulzeit in Hersbruck

 

1989 -1995 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei Prof. Reuter

 

Seit 2004 Kunsterzieherin am Paul-Pfinzing-Gymnasium in Hersbruck Ausstellungen (Auswahl): 1996 Stadthaus Hersbruck, 2012 Galerie K5, Hersbruck, 2016 Schloss Almoshof, Nürnberg, 2017 Burg Hohenstein, 2017 Galerie From und Farbe, Bad Brückenau, 2018 Botanisches Forum Thüngersheim (Beteiligung)

 

Homepage:  www.holzbildnisse.de E-mail: karin.plank-hauter@posteo.de

 

 

 

Die Aquarelle von Blütenblättern, Wurzeln und Totholz erinnern in ihrer Genauigkeit an die Bilder in alten Bestimmungsbüchern oder botanische Darstellungen aus der Kunstgeschichte. Die Darstellung von Pflanzen hat eine lange Tradition, aber warum ist genau dieses eine Stück Holz oder jenes einzelne Blütenblatt plötzlich bildwürdig und wichtig? Es sind Fundstücke vom Wegesrand, die plötzlich eine Faszination ausüben und eine Geschichte erzählen. Vom Werden, Blühen, Nähren und langsamen Vergehen. Begriffe, die uns aus unseren Menschenleben auch irgendwie bekannt vorkommen. So werden die Holzstücke in ihrer feinen Farbigkeit von Braun und Grautönen, mit unvermutet kräftigem Blau, leuchtendem Grün oder feurigem Rot unversehens zu alten Bekannten.

 

Andreas Hauter

 

Schulzeit und Zivildienst in Hersbruck

 

1986 -1989  Lehre und Gesellenzeit als Zimmerer

 

1990-1996  Studium und Referendariat  in München und Würzburg

 

seit 1997  als Berufsschullehrer für Zimmerer in Nürnberg tätig

 

 

Wir haben beide das Thema Holz für uns entdeckt - und den Gedanken, Zufälliges herauszugreifen, anzusehen – und dann geht es wieder weiter. Der Mensch geht seiner Wege, das Holzstück zerfällt. Ein Moment der Aufmerksamkeit, der sich durch die künstlerische Darstellung ausdehnt.

 

Beim Blick in die Kunstgeschichte zeigt sich, dass eine Holzskulptur – durch den natürlich überall vorhandenen und leicht zugänglichen und verfügbaren Werkstoff Holz – häufig mit Naturvölkern in Verbindung gebracht wird, etwa die afrikanische Skulptur, die später die dann später Expressionisten stark angeregt hat und dadurch auch  in Europa bekannt wurde.

 

Im 19. Jahrhundert war dort  Holz eher als minderwertiges Material für die Kunst betrachtet worden, weil es doch der Vergänglichkeit unterworfen ist und nicht so wertvoll wie Bronze oder Marmor. Betrachten wir das Mittelalter, so  denken wir an Andachtsstatuen, Madonnen und mittelalterliche Heiligenfiguren. Auf uns  wirken Holzfiguren deshalb  heilig,  archaisch und ursprünglich.

 

Alle drei Aspekte, das „Stille, Andächtige“, das vergängliche und die Figuren des Alltags, schwingen bei den Skulpturen von Andreas Hauter  mit. Als Pendler unterwegs in der Masse am Bahnhof fallen ihm Menschen auf – meistens Frauen – in Alltagssituationen. Beim Warten in der U-Bahn, der Beschäftigung mit dem Handy oder auch im Urlaub am Strand.

 

Jede Person wirkt  in sich versunken und ist ohne Kontakt, mit dem, der sie anschaut.  Sie fühlen sich  unbeachtet und unbeobachtet. Es handelt sich  um eine plötzliche Entdeckung des Einzelnen, des Individuellen in der Masse. Die Menschen nehmen dabei keine Pose ein und präsentieren sich nicht, was ja heute ein großes Thema ist, z.B. bei Selfies oder Face-book.

 

Mit einer starken Vereinfachung und Reduktion- also auch ohne Farbigkeit- werden die Figuren zu  einem stillen Gegenüber für den Betrachter, der im Beobachten auch sich selbst entdeckt, wenn man sich im Alltag nach innen kehrt und „Pause macht“ von der geforderten, alltäglichen Extraversion.

 

 

 

Aquarelle von Pflanzen wurden viele Jahrhunderte lang von Forschern , bzw. den angestellten Künstlern in ihrem Team angefertigt, um die Merkmale der jeweiligen Pflanze einerseits erklärend darzustellen. Damit sind sie stark einem Zweck verhaftet, der die Mittel, nämlich die detailgenaue, realistische Darstellung bedingt.  Zum anderen sind diese Bilder wunderschön und haben für uns einen hohen ästhetischen Reiz.

 

In der bildenden Kunst wurden solche Bilder allerdings aufgrund ihrer Zweckgebundenheit und  ihrer „Gefühllosigkeit“ nicht als „große Werke“ angesehen. Das Stillleben als niedrigste Gattung galt den Künstlern als Experimentierfeld und das Blumenstillleben wurde in den vergangenen Jahrzehnten zumindest in Deutschland von Künstlern gerne gemieden, weil es im Verdacht des unkritischen Hangs zur Idylle stand.

 

 In England hat sich aber die Tradition der Beschäftigung mit Aquarell und der realistischen – ja liebevollen Abbildung von Pflanzen gehalten und es gibt dort Wettbewerbe für die besten botanischen Maler: „Botanischen Bilder“, die Wert darauf legen, eine bestimmte, vielleicht spektakuläre Pflanze so abzubilden, dass ihre besonderen Merkmale: Frucht, Blüte, Blatt usw. genauestens erkennbar sind.

 

 Meine Herangehensweise ist etwas unbewusster: ich greife ein Fundstück heraus, aufgrund seiner Form, der Astgabeln, der Schwingung oder des Farbenspiels und bilde einen bestimmten Teil eines ehemaligen mächtigen Baumes auf dem Weg des Verfalls ab.

 

Dabei spielt die Farbe eine besondere Rolle, verschiedene Brauns und Graus, das Rot, Blau oder Grün, da sie die Malerei gerade in diesem beschränkten Spektrum so spannend machen. Sanfte Kontraste in einer ansonsten ziemlich bunten Welt. Die Technik ist eine Wasserfarbenmalerei in vielen Schichten, mit wachsender Intensität.

 

Manchmal sind die Holzstücke kleine Landschaften, besiedelt von Moosen und Flechten oder Pilzen und Schimmel, manchmal gewinnt ihre Form und Gestalt einen assoziativen Gehalt auf dem Bild oder sogar etwas Gleichnishaftes für das Leben, das einen so verdreht und beugt. Notgedrungen stellt sich die Vereinfachung ein. Das eigentliche Fundstück verliert an Bedeutung, was zählt, ist dann das Bild.

 

Unser Blick soll meistens das Wichtige erkennen und das Wesentliche herausgreifen. Dem widerspricht die Methode des Zufallsfundes oder die Aufmerksamkeit auf das Kleine und Unscheinbare. Etwas schön finden ist etwas Individuelles und hängt auch mit dem Erlebnis der Entdeckung und des Findens  zusammen. Das Finden hat etwas zufälliges, das Herausgreifen und Gestalten macht das Fundstück zu etwas überzeitlichem. Wir haben unsere Ausstellung Holzbildnisse genannt, weil jeder von uns ein Porträt in Holz macht. Der unbekannte Mensch oder das namenlose Stöckchen werden mit dem Willen zum Porträt geliebt und dargestellt.